Abgegangene Einöden

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Abgegangene Einöden

Genderkinger Heimatbuch

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Eisach

Diese Schwaige lag zwischen Urfahr- und Breitwangerhof. Im Süden grenzten die „Eisenmäder" an. Dieser Flurname ist heute noch gebräuchlich. Die Siedlung wurde 1280 zum ersten Mal erwähnt. Der Name änderte sich von Isawe und Ysaw über Eyssenaw zu Eisach.

Bewirtschaftet wurde der Hof z.B. 1538 von Gastei Ferg, 1572 von Sixt Fungkh und später von Georg Fungkh. Aus dem Jahre 1591 wird berichtet, daß am Osterabend ein Schiffmann hier angelandet ist, und wider Recht und Sitte „das Traid (Getreide) am Heilig Ostertag ausgesetzt" hat. Als sich der Schiffer auch noch mit bösen Worten widersetzte, wurde er „mit etlich straichen" versehen, gefangen und dem Richter vorgeführt[1]. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Hof total verwüstet und nach dem Tod des Eysachbauern Ulrich Lauter 1662 verteilt. Der Klösterliche Grundherr Kaisheim hatte hier noch eine Schäferei eingerichtet, zwischen 1666 und 1694 ging der Hof jedoch endgültig ein: „Ist aniezo ödt, und liegt die hoffstatt, stadl sambt 1 Tgw. garten zwischen der Thonau und des Prinzbauern". Ein Grund für das Eingehen dieses Hofes mag ähnlich wie beim Prinzerhof in dem verheerenden Donaufraß zu suchen sein. 1694 wird berichtet, daß von 23 Tagwerk Äckern „3 in der Donau liegen" und von 42 Tgw. Wiesen 9 „nicht mehr vorhanden sind".

Faulenwinckel

Diese Schwaige lag in den Lechauen östlich von Genderkingen. Sie bestand schon im 13. Jahrhundert, galt aber bereits 1302 als „öd" und wurde zuletzt 1321 genannt. Heute noch lebt sie als Flurname „Faula(ch)" weiter.

Gnadenmühle

Nur kurzzeitig existierte in den Jahren 1555 -1562 eine kaisheimische Gnadenmühle „negst bey Gendrüchingen", die rasch die Beständer wechselte und bald wieder aufgegeben wurde. Sie lag in der Nähe der Feldbacher Sölde (HN 76 in Genderkingen).

Der Prinzhof

Der „Prinz Hof in den Wörthen" wurde im Laufe der Jahrhunderte auch „In der Awe", „Brenntz", „Prenz", „Prüntzer Hof", u. ä. genannt und reicht in seiner Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurück. Anno 1694 umfaßte er 33 Tagwerk Äcker, 43 Tagwerk Wiesen, 13 Tagwerk Wald, 10 Tagwerk Viehweide und 16 Tagwerk eigene Güter. 1750 wird die Prinzerschwaig beschrieben als „großer Hof und Schweitzerey, nebst guten Feldbau, Wiesewachs, Viehzucht und Holtzung".[2]

1786 wurde der nun mindestens 200 Tagwerk haltende Hof von der verwitweten Prinzerbäurin Eva Jehle zertrümmert, die sich im Dorf gegenüber dem Pfarrhof ein Haus (Hausnummer 24) erbaute, wo noch heute der Hausname „Brenner" weiterlebt. Ein Zehntel ihres Hofbesitzes behielt sich Eva Jehle zurück. Haus und Stadel an der Donau wurden abgebrochen, der Grundbesitz an 40 Gemeindemitglieder gegen Bezahlung verteilt. Der Viehbestand zum Zeitpunkt der Hofauflösung betrug 6 Pferde, 3 Füllen, 38 Rinder, 17 Schafe und 33 Schweine! Zum Gebäudekomplex gehörte auch eine Käserei mit 2 Käsekesseln. Grund für den Verkauf waren die „diesem Hofgut in den lezt verflossenen Jahren zugegangene „Beträngnisse und Wasserschaden", sowie „andere triftige Beweggründe". Der Verkaufsvertrag, den man in Gegenwart der Gemeindeführer und aller Beteiligten aufgesetzt hatte, wurde im Frühjahr 1786 in die Tat umgesetzt. In 9 Sitzungen, die zwischen dem 21. März und 18. Mai stattfanden, sind „die durch den Reichsstift Kalsersheimlsehen Feldmesser, Franz Joseph Sauter, ausgemessenen Theile" von den Interessenten „nach dem Loos gezogen worden". Die Versammlungen wurden teils „in der Stube der Prenzer-Bäurin", in deren Stadel oder „unter freyem Himmel" abgehalten.[3] Die 40 Mitglieder, die sich zum Kauf entschlossen hatten, erhofften sich damit eine Ertragssteigerung, waren doch die Grundstücke in der Dorfflur von sehr schlechter Qualität. Ein Teil der hier erworbenen Flurstücke mußte erst gerodet werden, ein anderer Teil wurde bereits im Jahr des Kaufs 1786 wieder verloren durch "Eisgang und dann dem ganzen sommer angedauerten Hochwasser". 1830 schreiben die Teilhaber an die Regierung: „Seit dieser Zeit hat die Donau nicht nur den Platz, worauf die Gebäude gestanden sind, sondern im Ganzen wenigstens 80 Tagwerk Äcker und Wiesen weggerissen". Da sie „täglich an Grundbesitz ärmer", „auf dem entgegengesetzten Ufer aber so viele Anschütten für das Staatsaerar gemacht" werden, bitten sie um Revision der Steuern und um günstige Überlassung der neu entstandenen Anschwemmungen.[4]

Der Standort des Prinzerhofes war an einem Bogen der alten Donau in der noch heute so genannten „Brenn" westlich vom Breitwangerhof. Lange Zeit hielten sich für diesen Ort noch die Flurnamen "Brenzers Garten" und „Stadelacker".

Rotenlaich (Rote Leich, Auf dem roten Laych)

Hier handelte es sich um ein Feldgut, das 1389 noch Wald war, woraus sich der Name ableitet (Rotlaich = Rotwald). 1477 taucht es als Wiese, später auch als Acker auf. 1555 erscheint dieses Gut mit Gartenrecht. Es ging noch vor 1694 im angrenzenden Prinzerhof auf. Bei dessen Verkauf im Jahre 1786 erwarb der in Genderkingen ansässige kaisheimische Pfleger Ludwig von Gaza den Rotenleich als ein eigenes Gut um 500 fl., welches 5 Tagwerk Äcker und 3 Tagwerk Wiesen umfaßte. Allerdings war dieser Besitz „dem Wegfressen von der Donau sehr unterworfen".[5] Der Flurname „Rotleich" bezeichnet heute noch das Gebiet im Süden des Kieswerkes Wanner und Freisleben bis zur Bundesstraße 16.

Wolfseggart (Wolfsegert, Wolfsegarten, Wolfsehegart, Wolfskehl)

Dieses ehemals kaisheimische Gut war an der alten Donau in der Nähe des Mühlbachs gelegen. Im Jahre 1379 finden wir es zum ersten Mal brieflich erwähnt. Vermutlich ist der Wolf, der 1379 hier wirtschaftete, der Begründer. 1694 ist der Großteil der Äcker und Wiesen „bis einen kleinen einiger hände breit fleck von der Donau weggefressen".[6] Das Anwesen scheint zu diesem Zeitpunkt bereits eingegangen zu sein. Richard Dertsch[7] vermutet, daß vielleicht der Donaulenzhof Nachfolger dieses Gutes ist. In einem Einwohnerverzeichnis für Genderkingen aus dem Jahre 1803[8] wird jedoch der Mühlflecken (HN 6 in Wörthen) als „Wolffseggart" bezeichnet, vielleicht auch nur, weil er in dessen Nähe lag. Als Inhaber des Gutes finden wir folgende Namen: Ulin Brentzer, 1520 Hanns Vogelfair, 1551 Mathes Kurtz, 1552 Melhior Mair, 1556 Hanns Posch, 1560 Sixt Bosch, Andreaß Knechtlin, 1607 Jacob Schmid, Jerg Deiser und 1694 Christoph Ring.

Quellen

  1. Staatsarchiv Augsburg: Klosterurkunden Kaisheim Nr. 1826
  2. Johann L. Kolleffel: Schwäbische Städte und Dörfer um 1750, Weißenhorn 1974
  3. Staatsarchiv Augsburg: Klöster Literalien Kaisheim Nr. 88
  4. Staatsarchiv Augsburg: Bezirksamt Donauwörth a.S., Akt Nr. 1352
  5. Güterbeschreibung des Klosteramts Genderkingen von 1694 mit Nachträgen bis circa 1800 (Staatsarchiv Augsburg)
  6. ebenda
  7. Richard Dertsch, Die deutsche Besiedlung des östlichen bayerischen Mittelschwabens, in: Archiv für die Geschichte des Hochstifts Augsburg, Vl. Band, S. 297- 432. Dillingen 1929
  8. Staatsarchiv Augsburg: Akt Regierung, Nr. 5139