Gaststätten

Aus Genderkinger Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
< Heimatbuch < Gaststätten
Genderkinger Heimatbuch

Dieser Text basiert im Ursprung auf dem Genderkinger Heimatbuch. Die Genehmigung zur freien Verwendung der Texte dieses Buches wurde, sofern der Persönlichkeitschutz beachtet wird, von den Autoren pauschal für dieses Wiki erteilt. Bei einer weiteren Verwendung außerhalb dieses Wikis ist ggf. die Genehmigung der Autoren einzuholen.

Allgemeine Hinweise

Das Wort „Hausnummer" erscheint im Text abgekürzt mit „HN". Ein angegebenes Datum bezieht sich jeweils auf die notarielle Verbriefung, nicht auf den Grundbucheintrag und nicht auf kirchliche Daten. Große Preisdifferenzen beim Ankauf und Verkauf eines Anwesens deuten oft auf den Ausbruch von Grundstücken aus dem Gesamtbesitz hin. Die Markwährung wurde 1876 eingeführt, wobei einem Florentiner Gulden (stets abgekürzt mit „fl.") circa 1,76 Mark entsprach, abgekürzt „M", „GM" („Goldmark") oder „RM" („Reichsmark"). Was die Schreibweise der Namen betrifft, so findet sich vor 1880 kaum eine einheitliche Rechtschreibung. Es gilt: „F" wie „V" (z.B. Foag/Voag), „ei" wie „ai", „m" wie „mm", „ö" wie „ä" oder „e" (z.B. Böck/Bäck/Beck), „ü" wie „i" (z.B. Müller/Miller), „s" wie „ß", „-l" wie „-el", „-r" wie „-er",und ähnliches.

DIE GASTSTÄTTEN

Das erste Gasthaus stand auf den Dörfern stets in unmittelbarer Umgebung der Pfarrkirche. Kirche, Gasthaus und Meierhof (in Genderkingen war dies der Kirchenbauer) bildeten sozusagen den Ortskern. Das Genderkinger Wirtshaus (heute Gasthof Schilke, Hauptstr. 1) ist mindestens seit dem Jahre 1577 nachweisbar, die Gaststätte „Zum Zoll" entstand später.

HN 49



HN 1 (Hauptstr. 51 / Hauptstr. 50): Zollwirt

Datei:Zoll.jpg
Gastwirtschaft zum Zoll 1928
Alle Mittwoch und Sonntag fand zu dieser Zeit Tanzkurs statt. Auch hier wurde eine überdachte Kegelbahn betrieben, die sich östlich der heute noch stehenden Kastanienbäume befand. Auf dem Bild rechts und links stehen die Wirtstöchter Emma (verh. Schilke) und Rosa (verh. Riegel) Wanner. In der Mitte die Magd Anna Knöferle, ganz rechts Mathias Riegel (t 1934)

Im Jahre 1565 erhielt der burgauische Zöllner als Grundherr über die Landstraße die Genehmigung, hier ein Zollhaus zur Erhebung des Wegezolls zu errichten. Seit Beginn des 19. Jahhunderts ruht hier auch eine „Tafernwirthschafts-Gerechtsame". Im Jahre 1825 verkaufen der „Polizei-Officiant Zinsmeister zu Eichstätt und dessen Ehegattin Josefa ihr bisher eigenthümliches Anwesen, vormals Zollhaus zu Genderkingen um 725 fl. an Sebastian Hurler, Wirt in der Wörd" (Hurler war bisher Besitzer des Anwesens Bayertoni, Wörthen 3, wo ebenfalls eine Wirtschaft betrieben wurde). 1829 kauft Franz Joseph Gassner, Sohn eines Neuburger Lehenfischers, das Zollanwesen um 2000 fl., veräußert es aber bereits 2 Jahre später wieder an Lorenz Lichtenberger, Cronenwirthssohn von Zusmarshausen. Auch in den folgenden Jahren wechselt häufig der Besitzer: 1836 Xaver Fleiner (Kauf), 7.8.1838 Franz Joseph Burckhard von Fünfstetten (Kauf), 19.12.1838 Stephan Fischer (Kauf), 1840 Johann B. Reißner (Übernahme vom Stiefvater), 1855 Klemens Spensberger (Kauf um 5800 fl.), 1858 Georg Heinle (Kauf um 7750 fl.), 25.1.1862 Michael Högl (Kauf um 9150 fl.), 7.11.1862 Anton Bissinger, Wirt von Eggelstetten (Kauf um 10630 fl.). 1868 übernimmt die Tochter Magdalena Bissinger das Gesamtbesitztum und heiratet Georg Müller, Wirtssohn von Erlingshofen. Nach dem Tod des Mannes heiratet die Witwe Joseph Galler.

1893 erfolgt ein Neubau der Gastwirtschaft, doch schon ein Jahr darauf kommt es zur Versteigerung des kompletten Anwesens. Den Zuschlag erhält die Kronenbräu AG für 30.000 Mark, die jedoch 2 Monate später wieder an Wanner Johann und Ehefrau Anna (geb. Lohmiller) verkauft. Johann Wanner war von 1900 bis 1930 Bürgermeister von Genderkingen. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratet er 1897 Anna Merkle. 1917 erkaufen sie Hausnummer 12 als Austragshaus. 1933 stirbt Johann Wanner. Im selben Jahr heiratet die Tochter Emma den Gastwirtssohn Johann Schilke. Beide betreiben die Gast- und Landwirtschaft bis 1938. Die Witwe Anna Wanner verpachtet nun das Anwesen und übergibt 1943 an den Sohn Franz Wanner, der Anny Zimmermann heiratet. Dieser errichtet hier eine Kfz-Werkstätte, die er später auf Hausnummer 12 verlegt. Im Jahre 1975 schließlich wird die Gaststätte an Carl Friedrich von Oettingen-Oettingen und Oettingen-Wallerstein, Fürst zu Wallerstein, verkauft. Die „Schank- und Speisewirtschaft Zum Zoll" erfuhr seitdem einen häufigen Pächterwechsel.

Wörthen 3: „Bayertoni"

Datei:Bayertoni.jpg
Das „Gasthaus v. Jos. Wagner z. Baiertoni" 1928
Im oberen Stockwerk rechts befand sich der Tanzsaal. In der Mitte die Wirtin Franziska Wagner mit Sohn Anton (gefallen) an der Hand, daneben nach rechts die Kinder Kunigunde (verh. Dirr), Josef, Sebastian und Franz. Links sind Besucher

Von mindestens 1789 bis zum Jahre 1953 wurde auf diesem Hof mit Donauüberfuhr eine Gastwirtschaft betrieben und zwar ab 1789 von Fam. Wagner, ab 1811 von Fam. Hurler, ab 1835 von Fam. Kapfer, ab 1845 von Fam. Riegel und ab 1895 wiederum von einer Fam. Wagner. Auch hier trafen sich die Genderkinger zu traditioneller Geselligkeit wie Maitänzen, Kirchweihfeiern, Gansviertelpartien, Kaffeekränzchen u.v.m. Beliebt war das Sommerhaus, das v. a. in der heißen Jahreszeit rege besucht wurde. Hier kehrten auch die Badegäste (von der Donau) gerne ein. Besonders beliebt war als kleine Brotzeit der Schweizer Käse, für den die „Franzi-Wirtin" weit und breit gelobt wurde. Problematisch war für den einen oder anderen „Langzecher" nur der Nachhauseweg ins Dorf, denn wie sagte einst ein Trinkkumpan zu seinem Gefährten: „Komm gang mer weiter links - do isch d'Stroß!" und Arm in Arm eingehakt torkelten sie im Mühlbach heim...

Stätten der Begegnung

In einer Zeit ohne Fernsehen, Telefon und Auto spielten die Gastwirtschaften als Stätten der Begegnung auf dem Dorf eine wichtige Rolle. Hier konnte man sich gemütlich zusammensetzen, um über dies und jenes zu reden, Neues zu erfahren und andere zu treffen. Schon manches Gerücht und mancher Scherz sind hier entstanden. Auf die zentrale Bedeutung der Wirtshäuser weist allein die Tatsache, daß von 1875 -1995 vier Wirte zusammen über einen Zeitraum von 60 Jahren als Bürgermeister von Genderkingen wirkten. Daß es im Wirtshaus nicht immer friedlich abgeht, gehört zum Leidwesen der Wirte schon seit jeher. 1690 „haben Georg Rott und Mathes Winhardt zu Gendkhingen im Würthshaus gerauft undt deßwegen 50 Kreuzer Straff verlegen müssen", wie aus einem Gerichtsurteil des Klostervogtes hervorgeht. Daß neben Bier auch „hochprozentigere Sachen" zum Ausschank kamen, geht aus einem Gesuch von Georg Ernst (alte Hausnummer 32) hervor, der im Jahre 1803 um Erteilung einer Branntweinbrennerei-Konzession mit folgender Begründung ersucht: »Bekanntlich wird im hiesigen beträchtlichen Dorfe viel Brandwein theils von den Einheimischen, theils von Durchreisenden getrunken, und deswegen ist auch beständiger Mangel an diesem Artickl, der manchen Reisenden besonders drückend fällt. Im hiesigen Dorfe befindet sich zwar ein Wirt, der sich aber, weil er selbst Bier bräut, mit Brandwein-Brennen nicht viel abgeben kann und will. Das Dorf selbst ist sehr groß und wegen seiner Lage von vielen Fremden besucht, und so kann man im Wirthshaus oft nichts haben..." [1] Für Durchreisende spielen die Gasthäuser sowohl zur kleinen Stärkung zwischendurch, als auch als Möglichkeit zur Übernachtung eine wichtige Rolle. Hohen Besuch hatte Genderkingen für einige Monate, als sich am 11. 3.1945 Irmgard Prinzessin von Preußen und Sachsen mit ihrem Sohn Stephan im Gasthaus Schilke einquartierte. 14 Tage später kam auch ihr Mann, Hauptmann Alexander Ferdinand Prinz von Preußen aus Berlin hier an.

Die Geselligkeit, die in den Gastwirtschaften gepflegt wurde und auch heute noch gepflegt wird (wenn auch in stark abgeschwächtem Maße), spielte sich in Tanzveranstaltungen, Vereinsaktivitäten, privaten Feiern und Versammlungen aller Art ab, wie sie hier beispielhaft in Zeitungsinseraten und Bildern aufgezeigt werden soll.

Quellen

  1. Regierung Nr. 878 a, Staatsarchiv Augsburg