HN 57

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Genderkinger Heimatbuch

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Allgemeine Hinweise

Das Wort „Hausnummer" erscheint im Text abgekürzt mit „HN". Ein angegebenes Datum bezieht sich jeweils auf die notarielle Verbriefung, nicht auf den Grundbucheintrag und nicht auf kirchliche Daten. Große Preisdifferenzen beim Ankauf und Verkauf eines Anwesens deuten oft auf den Ausbruch von Grundstücken aus dem Gesamtbesitz hin. Die Markwährung wurde 1876 eingeführt, wobei einem Florentiner Gulden (stets abgekürzt mit „fl.") circa 1,76 Mark entsprach, abgekürzt „M", „GM" („Goldmark") oder „RM" („Reichsmark"). Was die Schreibweise der Namen betrifft, so findet sich vor 1880 kaum eine einheitliche Rechtschreibung. Es gilt: „F" wie „V" (z.B. Foag/Voag), „ei" wie „ai", „m" wie „mm", „ö" wie „ä" oder „e" (z.B. Böck/Bäck/Beck), „ü" wie „i" (z.B. Müller/Miller), „s" wie „ß", „-l" wie „-el", „-r" wie „-er",und ähnliches.

HN 57 (Lechgasse 57 / Lechstr. 38 / Lechstr. 34): "Äußerer Fischer" / „Schreinermichl"

Wie auf HN 41, so lag auch auf diesem Anwesen ein Fischlehen. Der Hausname „äußerer Fischer" bezieht sich auf die im Vergleich zu HN 41 entferntere Lage vom Dorfzentrum. Nachweisbar ist 1694 Hans Förg, der die Sölde und „ein Fischlehen, dem Marschallamt des Hochstifts Augsburg zins- und lehenbar" besitzt. Seine Nachfolger sind 1746 Adam Schübing, 1777 Mathias Gänser/Gäußer und im Jahre 1784 Franz Mayr.

1822 übernimmt dessen Sohn Joseph Maier die Sölde, sowie „das Fischerlehen mit Einschluß des halben Fischwasserrechts im Lech und in den Altwässern des Lechflusses und einem Stück vom Mühlbach" um 1100 fl. In den folgenden Jahren kaufen das Anwesen Kaspar Mühlpoltner von Oberhaar (1838) und Michael Reiser von Gremheim (1841). 1842 erwirbt das Anwesen Franz Freudl, ein Fischerssohn von Münster, durch Heirat der Maria Anna Ludmaier, einer Tochter von Michel Reiser. 1843 kauft um 1970 fl. Joseph Prassler von Altisheim den Besitz und 1849 Joseph Mayer um 1961 fl. 1856 baut dieser auf seinem Grund einen Ziegelstadel.

1862 ersteht der Zollwirt und Ziegler Georg Heinle das Anwesen zum Preis von 8000 fl. und baut „eine Trockenhütte an den alten Ziegelstadel" an. 1866 übernimmt zunächst Franz Heinle, dann geht das Anwesen durch Erbaufteilung an Gottlieb Heinle. In den nächsten 10 Jahren wechselt sechsmal der Besitzer: 9.2.1867 Lorenz und Barbara Kraus von Steppach (eingetauscht), 2. 7.1867 Joseph Hoser und Franz Xaver Maierhofer (ersteigert), 25.2.1874 August Wünsch und Johann Strobl (erkauft um 4450 fl.), 9.6.1874 Johann Strobel allein, 19.10.1877 Salomon Ullmann (erkauft), 25.10.1877 Joseph Stepperger (ertauscht im Anschlag zu 4088 M 57 Pf). 1902 wird ein Wohnhaus mit Ökonomiegebäude erstellt. 1903 erbt der Sohn Joseph Stöpperger jun. das Anwesen, der es im Jahre 1907 an den Schuhmachermeister Michael Stöpperger und dessen Frau Walburga, geb. Rammer, verkauft. Die Witwe übergibt 1938 an ihren Sohn Heinrich Stöpperger, der Walburga Höck ehelicht.


Verlassenschaft des Fischers Hans Förg sen. im Jahre 1689

Erben sind die Witwe und 12 Kinder. Das Anwesen besteht aus „Haus und daran gebauten Stadel, Bachofenhäuschen, 1/4 Tagwerk Garten, 14 3/4 Jauchert Acker, 4 Tgw. zweimähdige Wiesen, 14 Tgw. einmähdiges Mand, 3 Krautbeet im Georain Krautgarten, im alten Krautgarten 2 Beet, 5 Beet im Wurzgarten". Folgendes Inventar wurde hinterlassen:

„2 Zugroß samt Geschirr und Sattel, ein zweijähriges Füllen, 2 Küh, 2 Rauppen (Kalbinnen), 4 Gäns, 2 Hennen und 1 Hanen, 1 Wagen, 1 Egge, 1 Pflug, 1 Gsottstuhl, 5 Siebe, 2 Staubwannen, 3 Trischl (Dreschflegel), 1 Werfschaufel, 2 Rechen, 1 Heu- und Korngabel, 3 Dunggabeln, 1 Tanglgeschürr, 3 Sicheln, 2 Grasseges (Sensen), 2 große und 3 kleine Holzbeichl, 1 Spansege, 1 Schnitzmesser, 1 eiserne Holzspeitl (Eisenkeil zum Holzspalten), 3 Flachsbrechen, 2 Spinnräder, 1 Schnellhaspel, 1 and. Haspel (zum Aufwickeln der Fäden), 1 Hechel (zur Flachsbearbeitung), 2 Grabschaufeln, 1 Laterne, 1 eisernes Ofenröhrlein samt einem Schilflein, 1 kupfern Höhlhafen (ein dreiständiger Kessel im offenen Kamin), 1 Rifleisen, 1 Pfannenlöffel, 1 Kessel, 4 eiserne und 2 kupferne Pfannen, 1 Dreifuß, 1 Nudelschäuflein, 1 Küchenspieß, 1 Bachtrog samt dem Schragen, 4 Krautständer, 9 große und kleine Schäfflein, 2 leere Schmalzkübel, 1 Fleischbunzen (ein Fleischkübel), 1 Badtschäfflein, 2 Wiegen, 2 Fleischstöck, 1 Schleifstein, 1 Kuhkette, 2 Heuseile, 1 halb und 1 ganze gehenkte Bettstatt, 3 beschlossene und 1 urbeschlossene Truhen, 1 Windkrühlein, 2 Kästen urbeschlossen, 2 Tisch, 3 lange und 1 dreifüßiger Stuhl, 2 Riffelbletten (zur Flachsbearbeitung), 4 große und 1 kleines Kindsbettlein, 1 Pfulgen (Überzug), 5 Kissen, 4 fleckene Bettziehen, 1 fleckene Pfulgenziech, 2 Kissenziech, 5 Kissenziech, 3 würkhene und 6 fleichnen Laylachen (flachsenes Laken), 4 würkhene Tuschtücher, 9 Getraidt Säckh, 32 Ellen Zwilch (kräftiger Stoff z. B. für Jacken), 32 Ellen würchne und 54 Ellen flechneß unblaicht Tuech, 66 flechne Rickh (Flachsknäuel) und 73 würckhne Rickh Gahrn, 118 gemein und 38 guete Flachsreisten.
Halsgewanth: 2 tüechene graue mannsröckh, 1 roch wuln (wollenes) Leibln, 1 Leib Peln, 2 Paar Hosen, 2 weiße Leiblein, 1 schwarzen Huet, 1 Fux Kapen, 2 Paar Schue, 2 Paar w-ulne und 1 Paar leine Strimpf, 1 Paar zwilchne Handtschue, 4 Hemeter (Hemden).
1 Schaff 5 Metzen Roggen, 9 Schaff Haber, 2 Metzen, 3 Vierling Lein".