Schloss

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Genderkinger Heimatbuch

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HN 64 (Frühlingsstr. 64 / Schloßstr. 3 / Schloßstr. 4): „Schlößle"

DAS SCHLOSS ZU GENDERKINGEN

Datei:Genderkingen Schloss.jpg
Das renovierte "Schlößle"
Innenaufteilung anno 1906: Die gebogenen Linine stehen für die hohen Gewölbedecken (Bauplan Donauwörth, Nr.170/1906, Staatsarchiv Augsburg}

Im Zentrum des Ortes, an der Kreuzung von Donauwörther Straße und Lechstraße, ragt zwischen Bäumen der Giebel des hiesigen „Schlößles" hervor. Der architektonisch schlicht gehaltene Bau mit Satteldach und profiliertem Traufgesims wurde 1673 errichtet und steht heute unter Denkmalschutz. Auch die Umfriedung besteht zum Teil noch aus alter Mauer. 1984 wurde das Schloß vollständig renoviert und zeigt sich seitdem in neuem gelb-weißem Glanz.

Bereits Anfang des 15. Jahrhunderts errichteten die Marschälle von Oberndorf als Lehensträger inmitten des Dorfes ein festes, aus Steinen erbautes Haus, das damals schon Schloß genannt wurde. 1478 ging es mit dem Verkauf des gesamten Dorfes Genderkingen an das Kloster Kaisheim über und diente forthin als „Verwaltungsbau", in dem der Kaisheimer Vogt saß. Hier wurden die Steuern (v. a. in Naturalien) bezahlt, Besitzänderungen verbrieft und auch Strafen verhängt. Der Chronist berichtet 1502 von einem Wiederaufbau des Schlosses, „deß verprunnen waß" („das verbrannt war"), und mit einer festen Mauer mit vier Basteien umgeben wurde. Bereits zwei Jahre später, 1504, wurde beim Aufstand der Rainer das Pflegamt wieder niedergebrannt und konnte erst nach Beendigung der Bauernunruhen im Jahre 1528 wieder aufgebaut werden; diesmal verziert mit kleinen Türmchen und innen wahrscheinlich auch ausgeschmückt mit Wandmalereien. Leider überstand dieser Bau den verheerenden Dreißigjährigen Krieg, der 1618 über das Land hereinbrach, nicht und mußte 1673 vollkommen neu errichtet werden. Das Schloß blieb seitdem bis in die Gegenwart erhalten. Vom ursprünglichen Gebäude sind leider keine historischen Ansichten, Zeichnungen oder Risse überliefert. Ein großes Ereignis stand den Genderkingern am 27. Juli 1692 bevor, als sich die Kurfürstinwitwe von der Pfalz mit ihrem Sohn, dem Fürstbischof von Augsburg, und dem Gefolge für 10 Uhr im „Schlössl zu Günderkhingen" zum Mittagessen verabredete. Der Kaisheimer Abt mußte zu diesem Zweck durch die „Underthannen allda" das Haus „sauber, ohne Zeitverliehrung, ausbutzen und mobiliern lassen".

1803 wechselte das Schloß mit der Säkularisierung der Klöster seinen Besitzer, wurde zunächst „Staatseigentum" und dann an Alois von Haidolph verkauft. Dieser veräußerte es 1808 an Graf Fugger auf Oberndorf und Glött für 4000 Gulden einschließlich den Nebengebäuden, dem Schloßgarten, der Forellenfischerei im Mühlbach und circa 14 Tagwerk Grund, wovon 4 Tagwerk auf die Forellenweiher und die drei „Straßweiher" entfielen. Dazu gehörte auch die Dienstbarkeit, daß der Besitzer die Brücken über den Mühlbach für die Hausnummern 14, 15, 16 und 17 zu unterhalten habe. Im Schloß wohnte zu dieser Zeit der königliche Oberjäger Miehle mit seiner Familie. 1851 erhielt den gesamten Besitz für 3600 Gulden der Gräflich Fuggerische Förster Joseph Enzler, der ihn 1896 an seinen Sohn Johann übergab. Seit 1918 ist „das Schlößle", e wi es die Genderkinger liebevoll bezeichnen, im Besitz der Familie Riegel und wird zu Wohnzwecken genutzt.

Im Jahre 1884 erbaute der Förster Joseph Enzler im Garten seines Schlosses ein Wohnhaus, das die Hausnumer 64 1/2 zugewiesen bekam (Heute: Hauptstraße 3). Das Haus wird heute von seiner Enkelin Frieda Enzler bewohnt, die es seit 1949 besitzt und in seiner ursprünglichen Art vollkommen erhalten hat.

Pdf kl.gif Verkaufsprospekt aus dem Jahr 2020

Quellen

Hüttner, Franz: Die Chronik des Kloster Kaisheim, verfaßt vom Cistercienser Johann Knebel im Jahre 1531, Tübingen 1902

Schaidler, Martin: Chronik des ehemaligen Reichsstiftes Kais-heim, Nördlingen 1867 (vorhanden im Stadtarchiv DON)

Grundsteuerkataster der Gemeinde Genderkingen und Klosterakt Kaisheim, Nr. 224 von 1692 (Staatsarchiv Augsburg)